Stellungnahme des FSR: Vergütung bei Covid-19-Einsätzen

Kategorie: Allgemeines

Auch uns, der Münsteraner Studierendenschaft der Medizin, bleiben die Auswirkungen der derzeitigen Krisenlage nicht verborgen und als zukünftige Verantwortungs- und Entscheidungsträger*innen in der Krankenversorgung und dem Gesundheitssystem allgemein steht es außer Frage, dass wir uns im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie mit den uns verfügbaren Kräften und Mitteln unterstützend einbringen. Nicht zuletzt die hohen Registrierungszahlen im lokalen Verteilertool für den Einsatz Medizinstudierender in der Krankenversorgung und die Teilnahme an den vom IfAS und Studienhospital angebotenen Schulungen zeigen dies.

Nichtsdestotrotz sehen wir uns als Studierende gewissen strukturellen Problematiken gegenüberstehen, die so schon länger bestehen, aber nun uns ganz direkt treffen. Die finanzielle und personelle Verschlankung des Gesundheitssystems der letzten Jahre tritt in der aktuellen Krise besonders deutlich zutage, weswegen wir uns verpflichtet fühlen, speziell für uns als Studierendenschaft einzutreten.

Der Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät Münster empfiehlt potenziellen Arbeitgeber*innen von Medizinstudierenden im Einsatz in der Krankenversorgung während der Covid-19-Krise ausdrücklich, ebendiesen Studierenden eine angemessene Entlohnung anzubieten.

Die Angemessenheit kann sich an Ausbildungsstand, Arbeitsaufgaben, potenziellem Gesundheitsrisiko und angewandtem Schichtmodell orientieren, sollte aber in jedem Fall den derzeitig gültigen Mindestlohn nicht unterschreiten (seit dem 01.01.2020 bei 9,35€ brutto/ Zeitstunde). Vielmehr sollte die Vergütung den für Medizinstudierende im klinischen Abschnitt des Studiums geltenden Sätzen entsprechen, die im selben Haus oder vergleichbaren Einrichtungen üblicherweise angewandt werden (vgl. Uniklinikum Münster: rund 13€/Zeitstunde). An diversen anderen Standorten (Essen, Göttingen, Düsseldorf, etc.) wird dies bereits praktiziert. Von entscheidender Bedeutung ist die vertragliche Sicherung des Beschäftigungsverhältnisses, um im erwünschten Fall einer angemessenen Vergütung alle relevanten versicherungstechnischen Aspekte der Studierenden im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Krankenversorgung zu klären und festzuhalten.

Dies gilt in besonderem Maße für Studierende im Abschnitt des Praktischen Jahrs, die im Falle einer ausschließlich auf die Versorgung von Covid-19-Patienten beschränkten Beschäftigung einerseits nicht mehr unter die geltenden Regelungen der Ausbildung und Lehre im Praktischen Jahr fallen, andererseits aber auch nicht mehr im Rahmen einer anders gearteten Lehrveranstaltung von Seiten des IfAS abgesichert werden können. Hier ist eine vertragliche Sicherung des Beschäftigungsverhältnis umso dringender.

Des Weiteren empfehlen wir, Studierende, die eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können und während der Krise in einem Bereich eingesetzt werden, welcher die Nutzung ihrer durch die Berufsausbildung erlangten Qualifikationen und Expertise erforderlich macht, nach dem üblichen Tarif der entsprechenden beruflichen Qualifikation zu vergüten. Ausdrücklich sprechen wir uns gegen eine verfahrensbedingte Herabstufung bezüglich der angewandten Tarifklasse aus. Krisenbedingte Verfahrensänderungen im Einstellungsverfahren (bspw. in der Zeugnisprüfung) sollten sich keinesfalls zum Nachteil der beschäftigten Studierenden auswirken.

Fachschaftsrat der Fachschaft Medizin Münster, 31.03.2020