Die Sprache der Menschlichkeit

Kategorien: Sonstige.

Titel: Die Sprache der Menschlichkeit (1. Auflage)
Autor: Christie Watson
Verlag: Goldmann
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Preis: 20,00 EUR
Seitenzahl: 384
ISBN: 9783442314737
Bewertung:

Inhalt

In dieser autobiografischen Erzählung nimmt Watson ihre Leser mit durch die 20 Jahre, die sie als Krankenschwester in verschiedenen Krankenhäusern verbracht hat, von der Entbindungsstation bis zur Palliativstation. Sie zeigt dem Leser den Wert des Pflegeberufs auf, der oft nicht die Wertschätzung erfährt, die er verdient hätte; denn wie Watson treffend feststellt, „werden wir alle irgendwann in unserem Leben einmal gepflegt. Wir alle sind Pflegende.“

Nachdem zu Beginn Watsons Pieper sie zu einer Reanimation in der Gegenwart ruft, kehrt sie in den folgenden Kapiteln zurück zum Anfang ihrer Ausbildung und berichtet von ihren Erlebnissen in ihren zwanzig Jahren als Krankenschwester.

Im Laufe der Erzählung treten immer wieder besondere Patienten hervor, deren Geschichte der Autorin besonders gut im Gedächtnis geblieben ist: Mandy, eine Prostituierte, die schon neun Kinder weggegeben hat, die mit ihren ungeborenen Kindern Alkohol und Drogen teilt und es liebt, schwanger zu sein. Der neunjährige Tommy, der aufgrund eines Autounfalls vom Hals herab gelähmt ist und sich aber zum zehnten Geburtstag nichts sehnlicher als ein Fahrrad wünscht und viele weitere traurige aber auch hoffnungsvolle Geschichten.

Immer wieder wird deutlich, dass Pflege sehr viel mehr als medizinische Versorgung ist. Krankenpfleger leisten durch Empathie und Mitgefühl den weniger offensichtlichen Beitrag zum Genesungsprozess der Patienten. Die Krankenpfleger haben sehr viel mehr Kontakt mit den Kranken als Ärzte, sie übersetzen für Patienten die „Sprache der Wissenschaft“.

Als Leser merkt man immer wieder, wie wichtig Watson als Krankenschwester für das Wohlbefinden ihrer Patienten ist. Dennoch hat man nie das Gefühl, dass Pflegekräfte idealisiert werden; eine der ersten Lektionen, die Watson als Pflegerin lernt, ist, dass auch gute Krankenschwestern Fehler machen, schließlich sind sie alle menschlich.

Dabei erzählt Watson ihre eigene Geschichte und die ihrer Patienten auf eine einnehmende und fesselnde Art, dass man nicht anders kann, als weiterzulesen. Ihre Erinnerungen werden auf spannende und elegante Weise mit Philosophie, Ethik und Geschichte der Pflege verwoben.

Didaktik

Die Sprache der Menschlichkeit ist auch für Laien geschrieben, die keine medizinischen Vorkenntnisse besitzen. Fachbegriffe und bestimmte Krankheiten werden kurz erklärt. Diese Erklärungen sind aber so kurz gehalten, dass man sich auch mit medizinischen Vorkenntnissen nicht langweilen wird.

Dieses Buch ist sicherlich kein Lehrbuch im klassischen Sinne, das man auswendig lernt. Dennoch kann man viel über Empathie und die Bedeutung der Pflege lernen. Es gibt bereits viele Ärzte, die auch als Schriftsteller tätig sind, aber Christie Watson ist eine der wenigen Krankenpfleger und liefert damit eine Perspektive, die in anderen Büchern und auch im Fernsehen oft vernachlässigt wird.

Preis/Leistung und Fazit

Die Sprache der Menschlichkeit ist eine spannend und humorvoll geschriebene Autobiographie, die uns zu mehr Menschlichkeit und Empathie im Umgang miteinander auffordert. Daher kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen, es ist so mitreißend und clever geschrieben, dass man das Gefühl hat, die Tragödien und die Funken  Hoffnung in unerwartetesten Momenten direkt an Christie Watsons Seite mitzuerleben.